Die Bünder Wirren (1618 bis 1639)

Zu Beginn des 17. Jh. war Chur als spanisch gesinnte Gemeinde des öfteren Schauplatz von Unruhen, Aufruhr und Volksaufläufen im Zusammenhang mit den Parteiungen und fremden Kriegsdiensten. Allein 1607 fanden drei Strafgerichte in Chur statt.

Als Bündner Wirren werden die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Koalitionen Frankreich-Venedig und Spanien-Österreich um den heutigen Kanton Graubünden im Rahmen des Dreissigjährigen Krieges bezeichnet. Dabei ging es hauptsächlich um die Kontrolle der Bündner Alpenpässe, aber auch um die konfessionelle Ordnung in Graubünden.

Der eigentliche Auftakt zu den Bündner Wirren war der Veltliner Mord im Juli 1620, als italienische Söldner unter Ritter Giacomo Robustelli ins Veltlin eindrangen und die katholische einheimische Führungsschicht für einen Aufstand gegen ihre mehrheitlich reformierten Bündner Landesherren gewannen. Rund 500 Protestanten wurden getötet und Hunderte von Angehörigen der Bündner Führungsschicht flohen aus dem Veltlin.

Die Bündner versuchten sofort, das Veltlin zurückzuerobern und zogen mit einigen Regimentern über Chiavenna und den Murettopass ins Veltlin, wurden jedoch am 8. August 1620 bei Morbegno geschlagen.

Nun ersuchten die Bündner bei der Eidgenossenschaft um Unterstützung. Der schlecht geplante Feldzug endete nach der Plünderung Bormios, wo die Reformierten Vergeltung für den Veltliner Mord übten, in der Niederlage in der Schlacht bei Tirano am 11. September 1620. Nun drohte den Drei Bünden auch die Auflösung von innen. Im Herbst 1620 warben die Spanier in der Innerschweiz 1500 katholische Söldner und verlegten sie nach Reichenau GR, um die katholische Sache in Bünden zu unterstützen und den zurückgekehrten Pompejus Planta zu schützen.

Obrister Richter Köhl Arnold

Arnold Köhl gehörte einem Churer Fähnlein an, einer Gruppe bewaffneter Churer, welche dem Zürcher Gesandten, Heinrich Bem, rapportierten. Durch die Hauptleute wurde er als Richter für ein unabhängiges Gericht ernannt. Am 18. September 1620 wurde von den beiden Churer Hauptmännern Michael Finer und Johannes Wyss dem Obrister Richter Köhl Arnold ein Passierschein ausgestellt.[12], wohl um ungehindert an einem Gericht teilnehmen zu können. Er wird aber in diesem Zusammenhang in keiner weiteren Quelle erwähnt.

Das Friedensabkommen

Am 6. Februar 1621 schlossen Abgeordnete des mehrheitlich katholischen Grauen Bundes in Mailand einen Separatfrieden mit Spanien. Dieser sah zwar die Rückgabe von Veltin und Bormio an die Drei Bünde vor, gab den Spaniern aber freies Durchzugs- und Besatzungsrecht, auch für die Bündner Pässe. Ausserdem war der Graue Bund bereit, die von Habsburg beanspruchten Gebiete der Drei Bünde aus dem Bund auszuschliessen.

Zahlreiche reformierte Familien flüchteten aus Graubünden und dem Veltlin in die Eidgenossenschaft, besonders nach Zürich und Bern. Dies motivierte angeblich Jörg Jenatsch am 25. Februar 1621 im Schloss Rietberg im Domleschg Pompejus Planta, den Führer spanischen Partei, zu ermorden. Jenatsch war reformierter Prädikant in Berbenno bei Sondrio gewesen und mit seiner Familie nur knapp dem Veltliner Mord entkommen[15].

1622 begann eine längere Fremdbesetzung des Landes. Chur musste während rund zehn Jahren eine kaiserliche Besatzung erdulden. Die spanischen Soldaten hielten sich nur sehr lose an die Bedingungen des Besatzungsvertrags, leistete sich Übergriffe und schleppten die Pest ein.

Nach Beendigung des Dreissigjährigen Krieges konnte die Bürgerschaft die erlittenen Verluste rasch wettmachen. So beschloss sie 1665 das Bürgerrecht und öffnete es in der Folge nur für wenige begüterte Anwärter. Die Hintersassen stellten trotz verschiedenen Ausweisungsbegehren vom 17. Jh. an konstant etwa die Hälfte der Einwohnerschaft. Nach der Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 kamen Hunderte evangelische Glaubensflüchtlinge aus dem Piemont, Savoyen und Südfrankreich dazu. Sie wurden tatkräftig unterstützt, dann aber meist weitergeschoben. Die Verbleibenden waren wie alle Hintersassen wirtschaftlich zurückgebunden, wurden aber von eigenen Seelsorgern betreut[9].

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Die Ermordung Plantas auf einer Darstellung des Historienmalers Karl Jauslin (Privatsammlung)


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Passierschein für Obrister Richter Köhl Arnold, 18.9.162 (StAC, A I/5.013)


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Kupferstich von Chur um 1637 (Rätisches Museum, H1965.708)


Quellen:

9: Historisches Lexikon der Schweiz, Jürg Simonett , 2020,

12: Passierschein für Oberstrichter ("Obrister Richter") Arnold Köhl, Stadtrat Chur, 1620, StAGR A II/2.0109 / A I/5.013

15: Bündner Wirren, Wikipedia, 2020,