Christian Köhl-Stemmer (1875-†1917) - Araschgen

Christian Köhl, verh. 1908 mit Rosa Paulina Stemmer (1878-†1962)
Sohn des Christian Köhl-Riedi (1837-†1922)

Köhl Christian wurde am 13. April 1875 im Armenheim Totengut in Chur geboren und verbrachte dort seine ersten 4 Lebensjahre. Da sein Vater die Anstellung als Aufseher im Totengut kündigte zog die Familie an die Rabengasse in Chur um. Christian verbrachte dort im etwas verlotterten Haus «Zur Turteltaube», mitten in der Altstadt, seine Jugendzeit. Er ging in Chur zur Schule und erlernte in der Möbelfabrik von Gustav Gmelin, dem Ehemann seiner Schwester Ursula Köhl, an der Sägenstrasse 73 den Beruf des Schreiners Christian wohnte während seiner Lehrzeit im Wohnhaus seiner Schwester Ursula, gleich neben der Möbelfabrik.

1890, als 15-jähriger, verliess er Chur und begann mit seinen Wanderungen. Als Schreinergeselle arbeitete er ausserhalb von Chur, kehrt erst 2 Jahre später wieder nach Chur zurück und wohnte wieder im Elternhaus. Christian arbeitete wieder einige Zeit ausserhalb von Chur. Er fand dann aber eine feste Anstellung in der Werkstätte der SBB Chur.

1908 heiratete er in Chur Rosa Paulina Stemmer aus Pfäfers, Tochter von Paul Stemmer und Luisa Jäger. Die beiden bezogen eine bescheidene, günstige Mietwohnung am Calunaweg im Lürlibad. Die ersten beiden Kinder, Elsi und Christian, wurden dort geboren. Der erstgeborene Sohn trug nach Familientradition den Namen des Vaters und Grossvaters. Da Rosa erneut schwanger wurde zog die Familie in eine grössere Wohnung im Haus 632a an der Loestrasse. Hier wurden Paul und Meta geboren.

Ehefrau: Rosa Paulina Stemmer
Kinder: 4
Beruf: Schreinermeister

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Der Umzug nach Araschgen und Tod von Christian

Im Juli 1912 kaufte Christian von August Schär ein im Araschgen-Malixergebiet gelegenes altes Walserhaus, bestehend aus Baumgarten und Ackerland im Riedwiesli mit darauf erbautem Hause und 2 Ställen, Nahe des Bergbaches Rabiusa und der Churer Stadtgrenze[100]. Er, seine Frau Rosa und die 4 kleinen Kinder verliessen Chur und zog nach Araschgen. Bei ihnen wohnte auch seine Nichte Maria Elisabeth Rungger, welche gerade die Schule abgeschlossen hatte und im Kurhaus in Passugg eine Lehre begonnen hatte. Da Christian weiterhin in der SBB Werkstätte arbeitet pendelt er jeden Tag zwischen Chur und Araschgen.

Die Kinder verbrachten hier nun ihre glücklichen Jugendjahre und besuchten Kindergarten und Schule oberhalb des Kurhauses. Im August 1914 ordnete dann der Bundesrat die allgemeine Mobilmachung an. Auch Christian musste seinen Tornister packen und einrücken. Er war vermutlich auf der Festung St. Luzisteig stationiert. Auch die Frauen sollten sich nützlich machen: «An die Nähmaschinen», hiess es 1914. Rosa als ausgebildete Näherin wurde musste sicher für die Wehrmänner Uniformen schneidern.

Noch vor dem Ende des ersten Weltkrieges, wurde die junge Familie von einem schweren Schicksalsschlag getroffen. Im Januar 1917 starb Christian unerwartet im Stadtspital Chur an den Folgen eines Beckenabszesses.

Witwe Rosa blieb mit ihren 4 Kindern mittellos zurück. Da Rosa Churer Bürgerin war unterstütze die Stadt Chur die Witwe mit etwas Geld, auch wurde ihr Ingenieur Haltmeier als Vormund zur Seite gestellt. Da das Haus in Araschgen stark mit Hypotheken belastet war versuchte Rosa das Haus zu verkaufen, was ihr aber nicht gelang. Rosa schien zudem mit der Situation überfordert zu sein. Sie vernachlässigte die Kinder und begann eine verhängnisvolle Affäre mit dem Gelegenheitsarbeiter Julius Schaub, wurde erneut schwanger.

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Die Armenkommission schreitet ein

Die Behörden griffen nun ein und platzierten 9 Monate nach dem Tod des Vaters die beiden Söhne Christian und Paul in das Waisenhaus in Masans[66]. Die beiden Töchter Meta und Elsi wurden kurze Zeit später ebenfalls ins Kinderheim in Masans eingewiesen werden. Da Rosa wieder schwanger geworden war und der Vater als Hilfsarbeiter nicht in der Lage war die Mutter zu unterstützen geriet Rosa in finanzielle Not. Sie konnte die Kosten für das Haus nicht mehr tragen, andererseits wollte sie wieder nach Chur zurück um ihren Kindern näher zu sein. So zog Rosa in eine kleine Wohnung an der Lürlibadstrasse in Chur. Das Haus in Malix wurde nicht verkauft. Allenfalls wohnte die Familie Köhl-Rungger weiter im Haus.

Rosa gebar 1918 nochmals eine Tochter, Luise Köhl. Der Kindsvater sicherte zwar Unterstützung zu, oft reichte das Geld aber nicht und die Stadt Chur musste die alleinerziehende Mutter unterstützen. Rosa wohnte mit ihrem Kind 8 Jahre am Kupferschmiedeweg 25, konnte oft mit ihrem kargen Einkommen als Schneiderin die Miete nicht bezahlen. Danach zog sie in eine etwas grössere Wohnung an der Reichsgasse 52. Ihre inzwischen erwachsenen Kinder besuchten sie oft, wohnten zwischendurch auch bei ihr.

1928, 11 Jahre nach Christians Tod, wurde das Haus in Araschgen dann doch noch verkauft. Die Erbengemeinschaft bestand aus Rosa und ihren 4 Kindern, vertreten durch Gustav Gmelin (Vormund der 4 Kinder) und Beistand Christian Nell (Rosa). Die Hintergründe für den Verkauf sind nicht bekannt. Nichte Maria Elisabeth Rungger war 2 Jahre zuvor von Passugg nach Chur zurückgekehrt, heiratete und zog weg. Bruder Peter war 2 Monate zuvor gestorben, und Schwester Ursula war erkrankt und sollte auch bald sterben. Die beiden Töchter waren ins Unterland gezogen, und die beiden Söhne wohnten noch im Waisenhaus.

1932 zog sie dann ins Welschdörfli und später in eine Wohnung an der Gürtelstrasse 47. Rosa hat nach dem Tod ihres Mannes nicht mehr geheiratet. Sie lebte alleine bis zu Ihrem Tod im August 1962 in ihrem Heim an der Gürtelstrasse 47 in Chur und ist ihren Enkeln in guter Erinnerung geblieben.

Quellen:

66: Protokoll der Armenpflege Chur

100: Kaufprotokolle Gemeinde Malix, Bauamt Valbella, 1812/28, E Nr. 66 S61-62/F Nr. 109 S112-113

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