Chur 1893

Zwischen dem Anfang und der Mitte des 19. Jahrhunderts verdoppelte sich die Einwohnerzahl – nur um von 1850 bis zum Vorabend des 1. Weltkrieges noch einmal so stark zuzunehmen. Aufgrund dieses Bevölkerungsanstiegs musste sich Chur mit seinen noch weitgehend mittelalterlich-frühneuzeitlichen Strukturen in eine moderne Stadt verwandeln.[34] 1820-1861 wird ein Grossteil der Stadtbefestigung beseitigt. 1820 wird eine Strassenbeleuchtung mit Öllaternen eingeführt.

1833 wird das Aktiengebäude an der Grabenstrasse erstellt. 1840-1841 wird die Kaserne im Rossboden gebaut. 1841 wird dann die Teigwarenfabrik gegründet..

Im Fürsorgebereich wurden über die üblichen Spenden und Stiftungen hinaus 1844 das Waisenhaus, 1845 das Erziehungsheim Plankis, 1847 das Bürgerheim, 1852-1853 Bau des Kreuzspitals, veranlasst durch den Kapuzinerpater Theodosius Florentini, 1872 Eröffnung des Krankenasyls Sand, 1875 das Stadtspital, Das 1853 gegründete Kreuzspital zog 1912 an die Loëstrasse um.und 1924 das erste Altersheim eröffnet.

Aber auch andere Infrastrukturen wurden aufgebaut oder erneuert: 1858 wurde die Strecke Rorschach-Chur der Vereinigten Schweizer Bahnen eröffnet. Die Strassenbeleuchtung mit Öllaternen machte 1859 derjenigen mit Gas Platz. Das erste öffentliche Schwimmbad datiert von 1871. Die Erneuerung der Wasserversorgung setzte 1880 ein. 1890 Einführung des Telefons, ab 1891 lieferte ein städtisches Elektrizitätswerk Strom, das 1906, 1914 und 1947 Erweiterungen erfuhr, 1895 Übernahme des Gaswerks durch die Stadt, 1896 Gründung der «Lichtwerke und Wasserversorgung» (später «Industrielle Betriebe der Stadt Chur»), 1905 – 08 Bau der Kanalisation, 1906 Ausbau der Elektrizitätsproduktion durch Inbetriebnahme der Zentrale Sand, 1911 Errichtung der Gasfabrik an der Rheinstrasse, 1914 Bau des Plessurwerks Molinis – Lüen.[34]

An verschiedenen der Bauprojekte waren auch Vertreter der Familie Köhl beteiligt. So z.B. am Bau der Kanalisation an der Oberen Gasse war Stadtwerkmeister Peter Köhl-Neukomm (1879-†1928) beteiligt. Schreiner Christian Köhl-Stemmer (1875-†1917) durfte als auch an diversen Neubauten mitarbeiten. Und zu guter Letzt Christian Köhl-Klee (1908-†1984), Betriebsleiter der IBC, welcher bei der Erneuerung des Energiewerkes im Sand 1947 beteiligt war und dieses später als stv. Betriebsleiter betreute.

Im lesenswerten Buch «Chur 1893»[34] von Stadtarchivar Ulf Wendler sind weitere Details und viele tolle Illustrationen aus dieser Zeit zu finden.

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Arbeiter feiern 1907 das Ende der Aufschüttungsarbeiten für die neue Kanalisation in der Oberen Gasse. Mit auf dem Bild ganz Links: Peter Köhl, Stellvertreter des Werkmeisters beim Bauamt der Stadt Chur (StAGR, Chur, Bestand Lienhard & Salzborn, FN IV 18/24 C 046)


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Obere Gasse und Gansplatz mit Gasbeleuchtung. Blick in Richtung Obertor, 1908 oder früher. (StAC, F 02.159)


Quellen:

34: Chur 1893, Ulf Wendler, 2010, Stadtarchiv Chur, Stadtarchiv Chur