Churer Auswanderer

Viele Churer versuchten im Ausland ihr Glück. Die Auswanderung wurde offiziell durch die Stadt Chur gefördert. Auswanderungswillige konnten einen Antrag an die Stadtverwaltung stellen und erhielten einen Unterstützungsbeitrag. Grosse Auswanderungswellen folgten bei extremen Hungersnöten, so 1816/17, zwischen 1845-1855 und 1880-1885.

Kirchenbücher, amtliche Aufzeichnungen und Briefe erzählen von mühevoller Arbeit, von Schikanen, vom Heimweh und Überlebenskampf, vom traurigen Los oder frühen Tod der Mehrheit dieser Auswanderer. Einige waren erfolgreich und blieben in ihrer neuen Heimat, andere kehrten enttäuscht in die Schweiz zurück.

Auch Mitglieder der Familie Köhl wanderten aus. Zu erwähnen sind hier

  • Anton Köhl (1775-†), wanderte mit seiner Familie nach Amerika aus.
  • Simeon Köhl-Hertner (1808-†1869), der nach einem Konkurs vor seinen Gläubigern 1845 nach Amerika flüchtete.
  • Anna Dorothea Köhl (1805-), 3 Kinder, 1851 nach Amerika ausgewandert.
  • Peter Köhl (1842-†1890), 1866 nach Indianapolis USA ausgewandert.
  • Sebastian Köhl (1838-1871), 1871 nach Amerika aus ausgewandert. Die Familie kehrte in gleichen Jahr zurück, Sebastian starb auf der Rückreise.
  • Christian Köhl-Riedi (1837-†1922) wanderte mit seiner Familie 1874 nach Amerika aus. Nachdem der jüngste Sohn Simeon starb, vermutlich bei der Überreise, kehrte die Familie wieder nach Chur zurück.
  • Dorothea Köhl (1798-†1864), wanderte mit Ihrem Mann Christoph Gengenbach und einem Kind 1832 nach Amerika aus und lies sich in Baltimore nieder. Nachkommen der Gengenbach leben heute noch in Baltimore.
  • Jacob Georg Köhl (1865-†1943), wanderte nach San Diego, USA aus und versuchte sich als Landwirt. Er scheiterte, blieb aber in den USA.
  • Christian Köhl (1802-†), 1830 ausgewandert nach Russland (Riga, heute Lettland) und Wilna (heute Littauen) als Konditor.[69]
  • Peter Köhl (1795-†1851) wanderte mit seiner Familie nach Wilna in Russland aus, arbeitete dort als Konditor und gründete 1845 eine eigene Konditorei[69]
  • Peter Köhl (1794-†), Sohn vom Stadtwachtmeister Peter Köhl, wanderte um 1820 nach Odessa aus. Zur selben Zeit eröffnete dort Hartmann Köhl (1780-†1849) - Zuckerbäcker aus Bergün seine Konditorei.[69]
  • Elisabeth Köhl (1778-†), Schwester von Jeremias Köhl heiratete einen Camenisch und wanderte nach Laibach (heute Ljubljana, Slowenien) aus.
  • Elisabeth Köhl (1797-†1869) heiratete Nicolaus (Nuot) Robbi und wanderte nach Grondo (Russland, heute Hrodna Belarus) aus.
  • Köhl Anna Dorothea (1831-), heiratete Samuel Vallzigari und zog nach Varese (Italien)
  • Auch mehrere Kinder der Anna Köhl-Bruesch (1800-†1870) wanderten aus. 1850 Simeon Bruesch nach Parma, wo er als Lehrer arbeite. Peter Bruesch nach Limoges (Limousin, Frankreich) und Amerika, wo er jeweils als Konditor arbeitete. 1871 reiste Johannes Bruesch mit seinen Kindern in die USA. Die Familie hat bis heute Nachkommen in den USA.

Agenten von Auswanderungsgeschäften boten Ausreisewilligen entsprechende Reisearrangements an. Von Chur ging die Reise über Basel an einen der grossen Ausreisehäfen wie Le Havre oder Hamburg. Dieser Reise dauerte etwa 2-3 Tage. Danach ging es per Schiff in 8-10 Tagen über den Atlantik nach New York oder einen der anderen Zielhäfen.

Quellen:

69: Bündner im Russischen Reich, Roman Bühler, 2003, , Verein für Bünder Kulturforschung,

1883-Inserat-Freier-Rätier.jpg

Inserat eines Reiseagenten (KB Chur, Freier Rätier, 12.9.1883)