Isak Köhl-Killias (1805-†1876) – der letzte Gerber

Köhl Isak, verh. 1830 mit Ursula Killias (1799†1848)
Sohn von Köhl Anthoni (1764-†1844), Gerbermeister, und der Dorothea Gelb (1776-†1847)
Enkel von Köhl Anthony (1744-†1800), Gerbermeister, und Catharina Schwarz (1737-†1803)

Kinder von Isak Köhl mit Ursula Killias:

  1. Köhl Anna Dorothea (1831-†), unehelicher Sohn Köhl Theodor, Gärtner (1856-†1877). Heiratete 1872 den aus Varese stammenden Samuel Vallzigari.
  2. Köhl Christina (1833-†<1876)
  3. Köhl Anton (1836-†1863), starb mit 27 Jahren
  4. Köhl Maria Barbara 1839-†1839), starb wenige Monate nach der Geburt
  5. Köhl Maria Barbara (1841-†), heiratete 1869 Johann Heinrich Rüegg aus Turbenthal
  6. Köhl Elisabeth (1846-†1848), starb im 2ten Lebensjahr

Isak Köhl ist ein direkter Nachkomme des ältesten Sohnes des Bürgermeisters Bernhard von Köhl. Sein Vater arbeitete wie sein Vater zuvor in der Köhlsche Gerberei,. Diese Gerberei war viele Generationen in Familienbesitz gewesen. Sein Grossvater Anton verkaufte 1781 die Gerberei und kaufte sich damit ein Haus an der Unteren Reichsgasse in der Nähe des Untertors (Heute Reichsplatz).

Sein Vater hatte dieses Haus dann 1798 übernommen. Hier wurde also Isak Köhl geboren. Kurz nach der Geburt von Isak erkrankte sein Vater schwer, konnte längere Zeit nicht mehr arbeiten. Durch das fehlende Einkommen geriet die Familie in arge Not, konnte kaum mehr Essen kaufen. Doch auch die Kinder schienen erkrankt zu sein, waren ausgezehrt und konnten die Schule nicht mehr besuchen. Die Armenpflege der Stadt Chur schritt ein und unterstütze die Familie mit Kleidern für die Kinder und Geld um Nahrungsmittel zu kaufen. In dieser schwierigen Zeit ereilte sein älterer Bruder aber der Tod, mit zarten 10 Jahren. So war Isak der einzige Knabe der 7 Kinder, welche seine Mutter zur Welt gebracht hatte, der das Erwachsenalter erreichen sollte.

Sein Vater erholte sich und konnte wieder seinen Betrieb weiterführen. Die Familie scheint ohne weitere Verluste die Hungersnot von 1816 überstanden zu haben. Isak wuchs also in Chur an der Unteren Reichsgasse auf und erlernte den Gerberberuf, wie auch schon sein Vater und Grossvater.

Ehefrau: Ursula Killias
Kinder: 6
Beruf: Gerber
Zunft: Schuhmacherzunft

Ahnenlinie

  1. Julius de Rogister
  2. Arnold Köl
  3. Peter Köhl
  4. Bernhard von Köhl
  5. Peter Köhl, Pfleger
  6. Köhl Antoni, Gerber
  7. Köhl Peter, Schmiedmeister
  8. Köhl Anthony, Gerbermeister
  9. Köhl Anthoni, Gerbermeister
  10. Köhl Isak, Gerber

Stadtbrand von 1829

In der Nacht vom 7 Dezember 1829 brannte das Wohnhaus der Familie, gelegen an der Unteren Reichsgasse (Regierungsplatz) ab. Der Brandherd lag in der eng ineinander gebauten Häusergruppe, wo sich heute das Regierungsplätzchen befindet. 14 Firsten brannten ab, während andere Häuser stark beschädigt wurden. Bei dem Brand war auch ein Menschenleben zu beklagen, während verschiedene andere Leute schwere Brandwunden davontrugen[6]. Anton und Familie verloren das Haus und verarmen. Die Familie zog in das ererbte Haus am Gerbergässli 4.

1830, 25 Jahre alt, heiratete Isak die um 6 Jahre ältere Ursula Killias. Ursula war bei der Hochzeit bereits schwanger, so kam 1831 die erste Tochter, Anna Dorothea, zur Welt.

Doch der Gerberfamilie Köhl ging es zunehmend finanziell schlecht. Vater Anton hatte hohe Schulden und musste alle Güter verkaufen. 1832 reichte das Geld nicht mehr. Die Armenpflege schritt ein und musste die Familie unterstützen. Das Haus am Gerbergässli wurde durch die Stadt Chur als Pfand genommen. Immerhin durfte die Familie im Haus wohnen bleiben. Sein Vater Anton, inzwischen fast 70 Jahre alt, konnte kaum mehr arbeiten, lebte in bescheidenen Verhältnissen, musste regelmässig von der Stadt unterstützt werden und war bald pflegebedürftig. 1833 wurde eine weitere Tochter geboren, 1836 dann der erste Sohn, Anton. Eine weitere Tochter, Maria Barbara, starb dann wenige Monate nach ihrer Geburt. 1841 folgte dann eine weitere Tochter, Maria Barbara, die die ersten Monate wohlbehalten überstand. Isak erkrankt an schwerem Rheumatismus und konnte in den kalten Wintermonaten nicht mehr arbeiten. Die Verdienstlosigkeit führte in weitere Abhängigkeit der Armenpflege. 1842 bewarb sich Isak erfolglos für eine Stelle als Stadtdiener. 1844 starb dann sein Vater mit 80 Jahren. Kurz darauf auch seine Mutter Dorothea Gelb. 1846 vervollständigte eine weitere Tochter, Elisabeth, die Familie.

Isak wohnte mit seiner Frau Ursula und den 5 Kindern nach wie vor im Haus der Familie am Gerbergässli zur Miete. Ein weiterer Schicksalsschlag ereilte die Familie zu Beginn des Jahres 1848: Sein Frau Ursula starb mit nur 48 Jahren, ein paar Wochen danach auch die jüngste Tochter Elisabeth. Isak blieb mit seinen 4 Kindern alleine zurück, mittellos, vermutlich kargem Einkommen und mit durch die Krankheit seiner Frau aufgelaufenen Schulden.

Isak engagierte zwar mehrmals eine Magd, konnte diese aber nicht bezahlen. Die Armenkommission schritt ein und nahm die Kinder (Anna Dorothea, Christina, Anton, Maria Barbara) ins Waisenhaus auf. Die älteste Tochter Dorothea wollte dann eine Lehre als Näherin beginnen, was ihr aber verwehrt wurde. Sie und ihre Schwester Christina wurden dann später als Dienstmägde platziert.

Isak schien weiter aufzufallen. So wird am 24. Juli 1851 vermerkt: «Der Gerbermeister Isak Köhl, welcher obschon er längere Zeit krank unentgeltlich im Krankenhaus verpflegt ward, und mehrere Kinder von der Armenpflege in der Waisenanstalt erzogen werden, dem vernehmen nach sich mit einer liederlichen Person herumtriebe, dem wohllöblichen Stadtrath zu geeigneten Massnahmen zu verzeigen.»

1857 versuchte Isak erneut als Gerber einen Betrieb aufzubauen. Ein Kredit wurde von der Stadt aber abgelehnt. 1860 bewarb sich Isak auf eine Stelle als Polizeidiener, war also nicht mehr als Gerber tätig.1863 erkrankte er schwer und verlor sein Augenlicht, wohl als Folge seines ungesunden Berufs als Gerber. Im selben Jahr starb auch sein einziger Sohn, Anton Köhl. Isak Köhl, der letzte Gerber in der Köhlschen Gerbe und Nachkomme des Weissgerbers Gili Köhl, starb mit 71 Jahren im Stadtspital Chur an einer Brustfellentzündung.

Seine Tochter Elisabeth, verheiratet mit Johann Heinrich Rüegg aus Turbenthal, erbte das Haus am Gerbergässli und verkaufte dieses 1880. Damit endete die Geschichte der Köhlschen Gerbe in Chur.

Quellen:

6: Von den Churer Feuersbrünsten, P. Gillardon, 1930, , Bündnerisches Haushaltungs- und Familienbuch, S. 65

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