Johannes Bruesch (1826-†1894) - Auswanderer

Johannes Bruesch, verh. mit Margaretha Niggli (1825-†1872) aus Malans und Sallicie C Braden, Augusta, Virginia.
Sohn von Anna Köhl-Bruesch (1800-†1870) und Johannes Bruesch (1801-†1875).
Enkel des Angehörigen Simeon Köhl (1760-†1845) und der Ursula Hitz (1767-†1827).

Johannes Bruesch wurde im Hinterwalde Hof in Jenins als erster Sohn von Johannes und Anna Bruesch-Köhl geboren. Er verbrachte dort zusammen mit seinen 4 Geschwistern auch seine Kindheit. Johannes erlernte den Beruf des Metzgers und arbeitete auch auf dem Hof seiner Eltern. 1842 zog sein Grossvater Simeon Köhl nach Jenins und wurde bis zum seinem Tode 1845 durch Johannes Mutter Anna gepflegt. Im selben Jahr heiratete er in Zizers die in Malans aufgewachsene Margaretha Niggli, Tochter von Jacob Niggli und Anna Nutt.

Ihr erster Sohn Johannes wurde kurz nach der Heirat geboren, war eine Frühgeburt und wurde gleich im Haus getauft. Das Kindchen starb 2 Tage nach der Geburt. Die nächsten Kinder Johann Jacob und Anna wurden in Jenins geboren, Tochter Margaret 1850 jedoch in Chur. Das Paar könnte zu dieser Zeit in Chur gewohnt haben. Danach wohnten sie in Jenins. Dort wurden 2 weitere Töchter geboren. Johann Jacob scheint einige Zeit (1853-1854) bei seinen Grosseltern in Chur gewohnt zu haben. Sohn Simeon wurde 1855 in Jenins geboren, aber durch Bruder Christian Bruesch in Chur getauft. Johannes dürfte aber die meiste Zeit in Jenins gewohnt und den Bauernhof seines Vaters übernommen haben.

Die Familie wohnte nun bis 1862 in Jenins. Johannes beschloss den Hof zu verkaufen und so zog die Familie Anfangs 1862 wieder nach Chur[1]. Johann Jacob (16) machte eine Lehre als Bäcker, Anna (14), Margaret (10), Maria (7) und Simeon (6) besuchten nun in Chur das Nikolai Schulhaus.

1 Jahr später verkaufte Johannes den Hof Hinterwalde in Jenins. Es waren schwierige wirtschaftliche Zeiten in Chur. So beschloss die Familie nach Amerika auszuwandern und dort eine neue Zukunft zu suchen. Sein Sohn Johann Jacob hatte inzwischen seine Lehre abgeschlossen und arbeitete als Bäcker in Anglikon bei Bremgarten.

Ehemann: Margareth Niggli
Kinder: 6
Beruf: Metzger

Brüsch- Johannes.jpg
Hof-Hinterwalde-Köhl-Bruesch.jpg
Schulhaus-Jenins.jpeg

Ausreise nach Amerika

Johannes meldete sich 1864 in Chur ab und dürfte dann in die USA ausgewandert sein. Sein Sohn Johann Jacob und sein Bruder Peter folgten ihm 2 Jahre später. Seine Frau und die anderen Kinder verblieben in der Schweiz. Vermutlich wollten sie die schulpflichtigen Kinder nicht aus der Schule nehmen, andererseits dürfte seine Frau bereits an Magenkrebs erkrankt sein und an den Symptomen gelitten haben.

1869 kehrte Johann Jacob für 2 Monate nach Chur zurück und schien alles für die Ausreise seiner Geschwister vorzubereiten. Seine Grossmutter Anna Köhl-Bruesch war bereits erkrankt und sie konnte sich noch ein letztes Mal von ihrem Enkel verabschieden. Der Gesundheitszustand seiner Frau hatte sich so verschlechtert dass die anstrengende Reise nach Amerika für Margaretha nicht in Frage kam. So kam es dass Margaretha sich von ihrer Familie verabschieden musste und Anna (23), Margaret (20), Maria Barbara (18) und Simeon (16) ebenfalls die Schweiz verliessen und am 26.5.1871 an Bord der SS Leipzig in Baltimore ankamen. Johannes, Sohn Johann Jacob und sein Bruder Peter hatten sich bereits in Staunton, Virgina, niedergelassen. Tochter Anna sollte im selben Jahr ihrer Ankunft in den USA an Pocken sterben. Seine Frau Margaretha wurde durch ihre Verwandten in Malans gepflegt, wo sie ein Jahr später an Magenkrebs sterben sollte. Ein Teil der Familie wohnte dann auch in Gordonsville.

Johannes arbeitete in Staunton als Metzger, vermutlich zusammen mit seinem Sohn Johann Jakob, welcher wohl auch bei ihm wohnte. Margaretha Niggli war inzwischen in der Schweiz gestorben und so heiratete Johannes 1873 in Alexandria (Baltimore) die 23 Jahre jüngere Sallicie C Braden (*1848), geboren in Augusta, Virginia. Auch sein Sohn heiratete in Gordensville die 17 Jahre alte Hannah Belle Johnson. Im darauf folgenden Jahr, 1874, reiste Johannes mit seiner Frau und Sohn Johann Jacob sowie dessen Frau und dem Erstgeborenen mit dem Planwagen nach Florida. Sie arbeiteten als Metzger, doch Florida schien nicht viel herzugeben. So entschlossen sie sich mit dem Wagen weiter zu ziehen, nach Texas. Auf der Reise dorthin handelte Johann Jacob mit Pferden. Sie liessen sich in Gainsville und vermutlich auch Forth Worth (Tarrant) nieder. Da die Geschäfte mit dem Pferdehandel gut liefen stieg Johannes und Johann Jacob im grösseren Stil in dieses spekulative Geschäft ein.

Seine anderen Kinder, Anna, Margaret und Simeon wohnten weiterhin in Gordensville. Sie hatten inzwischen alle geheiratet und erste Enkel waren geboren worden. Auch sein Bruder Peter wohnte in Gordensville, bei Tochter Margaret und ihrer Familie.1877 zogen dann Anna und Simeon nach San Antonio, Texas.

Das Massaker von Fort Cummings

Im Jahr 1880 erlebte der Bergbau im Südwesten New Mexicos einen beträchtlichen Aufschwung, der durch die Eisenbahn verstärkt wurde, die ein lang ersehntes Transportmittel für die Mineralien aus den Bergen um Silver City brachte.

Ende 1878 erhielt Annas Mann aus Frankreich einen Auftrag sich um die Weinanbaugebiete in New Mexico zu kümmern. So verliessen Anna und ihr Mann, zusammen mit ihrem Bruder Simeon, San Antonio. Reisen war in dieser Gegend und Zeit äusserst gefährlich: Victorio, Indianerhäuptling eines Apachenstammes und der berüchtigte Geronimo sorgten für viel Ärger in New Mexico, überfielen Siedler und skalpierten ihre Opfer. Banditen wie Billy the Kid oder Butch Cassidy trieben ihr Unwesen, Überfälle und Schiessereien waren keine Seltenheit.

Anna und Simeon schlossen sich einer Wagenkolonne an und fuhren in grosser Hitze durch die Steppe Richtung El Paso. Es mangelte an Wasser und die Furcht vor Angriffen war gross. Nach vielen Tagen erreichten sie den Rio Grande und El Paso. Sie fuhren dem Fluss entlang auf dem Butterfield Trail bis nach Fort Thorne. Dann bogen sie nach Westen ab, über eine hügelige Ebene mit nichts als wogendem Gras und Mesquite-Sträuchern. Am Morgen kam der Sheriff von Las Cruces mit einem dreiköpfigen Aufgebot und teilte dem Wagenmeister mit, dass überall Indianer seien. Das Aufgebot trennte sich und einige machten sich auf den Weg zum 30 Kilometer entfernten Fort Cummings. Die Flury's packten ihren Hausrat und Schmuck, den sie aus der Schweiz mitgebracht hatten, in einen der Ochsenwagen. Plötzlich tauchten in der Ferne Indianer auf. Ihr Wagen war der Letzte in der Kolonne und sie flüchteten sofort mit ihrem leichten Wagen, liessen ihr Hab und Gut zurück. Die Indianer griffen nun den Wagenzug an. Nachdem die Brueschs einige Kilometer in Richtung des Forts zurückgelegt hatten, setzten sich einige Indianer vom Rest ab und verfolgten ihrem Wagen - es ging um Leben und Tod. Eines der Pferde stürzte! Sie mussten es los schneiden und zurücklassen. Ihre Verfolger kamen immer näher, ein Pfeil traf eines der Pferde..

Die Soldaten hatten inzwischen die Flüchtenden gesehen, öffneten die Tore und liessen sie in das Fort. Ihre Verfolger drehten um.. Alle anderen Siedler in der Karawane wurden getötet und alles zerstört. Anna fand später, unter Schutz der Soldaten, noch einige alte Bilder und aus der Schweiz mitgebrachten Haushaltsgeräte.

Die Familie blieb eine Zeit lang in Fort Cummings. Als der nächste Wagenzug eintraf, brachen sie wieder auf. Als sie durch den Cookes Canyon kamen, begleiteten sie Soldaten. Die Berge waren hoch und die Wände des Canyons verliefen steil nach oben. Der beste Ort für einen Angriff, wie es ihn schon einige Male gegeben hatte. Nachdem sie den gefürchteten Canyon durchquert hatten, eröffnete sich ihnen ein weites Tal und sie erreichten die Poststation von Mowry City am Mimbres River. Die nächsten zwei oder drei Tage ging es durch die Wüste und weiter nach Silver City. Knapp mit dem Leben davon gekommen blieben sie nun in Silver City.

Simeon kehrte 1881 wieder nach Texas zu seinem Vater und Bruder Johann Jacob zurück. Anna und ihr Mann kauften sich dann im Arenas Valley eine Farm. In Texas kauften sich Johannes und Simeon Land und eine Farm in der Nähe von Jacksborwo wo sie Rinder züchteten, verkauften und Johannes als Metzger auch schlachtete. Johann Jacob wohnte weiterhin mit seiner Familie in Gordensville, dürfte aber in die Geschäfte involviert gewesen sein.

Die Adoption von Fred Mosley

Johannes (60) war nun bereits seit 13 Jahren mit Sallicie C Braden (35) verheiratet. Die beiden hatten kein gemeinsames Kind. So entschieden sie sich, Fred Mosley, geboren im November 1885, zu adoptieren. Im gleichen Jahr heiratete Simeon und zog nun mit seiner Frau nach Denton (Texas), wo auch ihr erstes Kind geboren wurde. Tochter Anna und ihre Familie wohnten bereits seit 7 Jahren in Silver City und besassen inzwischen die grösste Ranch in der Gegend. Häuptling Geronimo ergab sich 1886 und der Krieg mit den Apachen wurde als beendet erklärt. Die Gegend war nun einiges sicherer, Johannes und Johann Jacob beschlossen nun ebenfalls nach Silver City zu ziehen. Sie verkauften die Farm in Jacksborwo, verliessen nach 9 Jahren Texas und reisten gemeinsam mit dem Planwagen nach Silver City.

Quellen:

1: Einwohnerregister Stadt Chur, StAC BB III 001.008.039

89: Bruesch 1682-1994, Naomi Durfree Reed, 1994, Family History Publishers, Utha

Umzug nach Silver City

Johannes und Johann Jacob arbeiteten in Silver City als Metzger und verkauften Fleisch an die hungrigen Minenarbeiter. Ein Jahr später zogen Johannes und Johann Jacob nach Central, ein Dorf gleich neben Silver City. Dort war landwirtschaftliches Land noch erschwinglich. Johann Jacob kaufte sich eine Ranch, nur wenige Kilometer von Fort Bayard entfernt, einem Armeeposten, der zum Schutz der Menschen in diesem Teil des Landes eingerichtet worden war. Die Ranch dürfte ganz in der Nähe der Ranch von Anna und ihrem Mann Christian Flury gelegen gewesen sein. So begannen die beiden Rinder zu züchten, welche sie dann schlachten und verkaufen konnten. Vermutlich arbeiteten sie eng zusammen mich Christian Flury.

1894 Central New Mexico

Johann Jacob wohnte mit seiner Frau Hanna Belle und inzwischen 8 Kindern auf seiner Farm 1 Kilometer ausserhalb von Central. Tochter Anna wohnte mit ihrem Mann Christian Flury und 5 Kindern auf der Flury Ranch, 4 km westlich von Central. Johannes wohnte vermutlich auf einer der beiden Ranches, zusammen mit seiner Frau und ihrem Adoptivsohn. Tochter Margaret wohnte mit ihren 3 Kindern immer noch in Gordensville, Virginia. Ihr Ehemann war 1891 verstorben und ihr Onkel Peter Bruesch wohnte im gleichen Haushalt. Simoen war mit seiner Frau Louisa Caroline Goodman und 4 Kindern inzwischen nach Lexington, Oklahoma, umgezogen. Johannes und Peter waren nun die letzten der in Jenins geborenen Bruesch Kinder. In der Schweiz waren inzwischen alle ihre Geschwister verstorben.

Nach einem bewegten Leben, fern von seiner Heimat, starb Johannes mit 78 Jahren in Central New Mexico. Die Familien Bruesch-Flury, Bruesch-Johnston, seine Frau und Fred dürften in seinen letzten Stunden bei ihm gewesen sein. Johannes wurde in der Santa Clara Cemetery in Central beerdigt. Ein einfacher Holzstein (fast unleserlich) markierte sein Grab, bis seine Urenkelin Juanita Franks diesen durch einen schönen Grabstein ersetzte.

Diese und weitere Geschichten wurden im Familienbuch Bruesch 1682-1994 von Naomi Durfree Reed, einer Nachfahrin von Johannes, detailliert nachgezeichnet.[89]

1826-1894 John Bruesch.jpg
image_67201537.JPG