Peter Köhl (1785-†1851) – Der Zuckerbäcker

Peter Köhl, verh. 1820 mit Anna Neisa Stuppaun (1790-†1837).
Sohn des Angehörigen Simeon Köhl (1760-†1845) und der Lucia Meisser (1763-†1792).
Enkel des Oberzunftmeister Bernhard von Köhl (1693-†1762)  und Anna Wald (1728-†1796).

Kinder von Peter Köhl mit Anna Neisa Stuppaun:

  1. Köhl Flurin (1821-†1868), Zuckerbäcker, heiratete 1850 in Odessa Julia Zielanowska (1829-†1905). Keine Nachkommen.
  2. Köhl Cecilia (1822-†1856), heiratete in Warschau Jan Karol Jakub Strohmeyer (1814-†1888), hatte 5 Kinder und starb mit 34 Jahren in Warschau.
  3. Köhl Peter (1824-†), starb vermutlich als Kind.
  4. Köhl Chiathrina (1826-†1827), starb mit 1 Jahr
  5. Köhl Luzia (1827-†1852), heiratete in Warschau einen Reineke, wo sie auch starb. Über Nachkommen ist nichts bekannt.
  6. Köhl Chiathrina Neisa (1831-†), starb vermutlich als Kind in Wilna

Ehefrau: Anna Neisa Stuppaun
Kinder: 6
Beruf: Konditor

Peters Kindheit

Peter wurde in Chur als erstes Kind von Simeon Köhl, Angehöriger, und Luzia Meisser von Davos geboren. Bei seiner Taufe waren bekannte Persönlichkeiten anwesend: Ratsherr Peter Walser, Martin Bawier, Fr. Hauptmännin A. Planta geb. von Salis, Fr. Hauptmännin Badoli geb. Lehai, Fr. Landammännin Tschaler geb. von Salis.

3 weitere Geschwister kamen hinzu. Doch leider währte das Glück nicht lange. Bruder Simeon verstarb mit 2 Jahren, im Jahr darauf starb auch seine Mutter und sein Bruder Paulus. Sein Vater haderte mit dem Verlust seiner Frau und den 2 Kindern, blieb zurück mit seinen beiden Knaben. Als dann Bruder Meinrad 1794 auch noch an Zahnfieber verstarb wurde Peter vermutlich von seinem Onkel Peter Meisser (1762-†1845) in Pontresina aufgenommen. Somit dürfte Peter ab seinem neunten Lebensjahr, vielleicht auch schon früher, in Pontresina gelebt haben.

Sein Onkel Peter Meisser war 1792 von Davos nach Pontresina umgezogen und wohnte dort nun mit seiner Frau Urschla Stiffler (1769-†1821) und dem 1 jährigen Sohn Clo. Ein weiterer Davoser, Johann Jenny (1771-†1818), hatte die aus Silvaplana stammende Anna Robbi geheiratet und wohnte seit 1790 in Pontresina. Auch er hatte einen Sohn, Peter Johann Jenny, auch Peider genannt. In Pontresina wuchs Peter also auch mit den Kindern der Familie Meisser und Jenny auf. Sie alle sollten im weiteren Leben von Peter eine wichtige Rolle spielen.

Die Oberengadiner Zuckerbäcker

Die Familie Robbi wie auch Johann Jenny arbeiteten als Zuckerbäcker und eröffneten mehrere Konditoreien in Deutschland und dem russischen Königreich.

Johann Jenny wanderte 1794 nach Warschau und arbeitete dort als Konditort. 1804 reiste er nach Warschau, lieh sich bei seinem Schwager Nuot Robbi und wanderte weiter nach Wilna Dort eröffnete er zusammen mit Ulrich Lorenz (Filisur) und Peter Castelli (Silvaplana) eine Konditorei, die Konditorei Jenny, gelegen an der Schlossstrasse 189, nahe der St. Johannes Kirche.[75]

Mit Ende der Dorfschule und Konfirmation begann für Peter ein neuer Lebensabschnitt. Wie damals in den Bergtälern üblich mussten die Jugendlichen schnell auf eigenen Füssen stehen können. So könnte Peter bereits 1800 bei seinem Gemeindenachbar Johann Jakob in seiner Konditorei in Warschau einen Lehrvertrag abgeschlossen haben. Ein solcher Vertrag wurde meistens für 4-5 Jahre abgeschlossen. Und allenfalls folgte er dann auch Johann Jakob nach Wilna.

Johanns Sohn, Peter Johann Jenny (1793-†1876), arbeitete ebenfalls im Geschäft seines Vaters (ab 1813), wie auch Clo Meisser (1792-†1813), der Sohn von Peter Meisser (ab 1810). Clo verstarb aber 1813 in Wilna mit nur 23 Jahren, vermutlich an einer von napoleonischen Soldaten eingeschleppten Krankheit. Im gleichen Jahr heiratete Johann Peter in Pontresina Anna Meisser, Tochter von Peter Meisser. Die Familie Jenny vergössterte ihre geschäftlichen Aktivitäten und übernahmen die Anteile der Conditorei L'Orsa & Co., mit zwei Filialen ebenfalls an der Schlossstrasse gelegen. Dazu gehörten auch noch seine Beteiligungen an der Cukiernia Castelmur, an der Senatorska 46 in Warschau sowie an der Konditorei Gebrüder Jenny, Oderstrasse in Stettin.[75] Peters Johanns Frau, Anna Meisser, blieb in Pontresina, war für die Rekrutierung der Lehrlinge zuständig, die sie nach den genauen Vorgaben ihres Mannes im Engadin aussuchte.

Übernahme der Konditorei Jenny

1816 kehrte Johann Jenny, vermutlich bereits erkrankt, nach Celerina zurück, wo er 1818 auch starb. Sein Sohn Peter Johann Jenny übernahm nun die Geschäfte des Vaters. Doch er wollte wieder zurück in die Schweiz. Peter Johann Jenny machte Peter Köhl zum Teilhaber und übergab ihm die Leitung des Geschäfts. Die beiden Freunde waren Mitglied bei den Freimaurern und besucht die gleiche Loge in Wilna, "zum Guten Hirten", die auch in Warschau vertreten war. Peter Johann Jenny kehrte danach wieder nach Pontresina zurück und erste Kinder sollten bald folgen.

Peter leitete nun die Konditorei in Wilna. Sein Onkel Peter Meisser war inzwischen zum Gemeindepräsident von Pontresina aufgestiegen. Vielleicht lernte er so die aus Pontresina stammende Anna Neisa Stuppaun  kennen, welche er 1820 heiratete. Er war zu dieser Zeit Bürger von Chur, hatte also vorher das Bürgerrecht erworben. Das Paar lebte in Wilna und hatte 6 Kinder, wobei eines schon früh starb.

Die Familien Köhl, Meisser, Jenny und auch Bruesch waren eng miteinander verbunden. Dies zeigt sich anhand der Einträge in den Kirchbüchern. Bei den Taufen von Peters Kindern tauchen verschiedene Mitglieder dieser Familien auf. So z.B. Peter Johann Jenny, Peter Meisser, dessen Töchter Anna Jenny-Meisser und Verena Meisser sowie Anna und Johann Bruesch-Köhl. Seine beiden Brüder Christian und Simeon hingegen werden nicht erwähnt.

Die Geschäfte schienen gut zu laufen und Peter erweiterte seine Geschäfte. So besass er 1826 eine Zuckerbäckerei mit Restaurant und Billard an der Zamkovaya Strasse 141, einem anderen Haus von Simon Kreszkiewicz. 1828 erwarb Peter die Anteile von seinem Geschäftspartner Peter Johann Jenny und war nun alleiniger Besitzer der Konditorei. Peter wurde zu dieser Zeit als vermögend, aber nicht reich bezeichnet.[70] In einer Liste von Geschäftsleuten in Wilan wird Peter 1829 auch als Inhaber eines Hotels im Symson-Haus, an der Pogulianka-Strasse 312 gelegen, aufgeführt.

Quellen:

66: Protokoll der Armenpflege Chur, 1868, StAC AB II/P 06.09

70: Bündner im Russischen Reich, Roman Bühler, 2003

75: Fast ein Volk von Zuckerbäckern, Dolf Kaiser

xx: Jenny, Johann, von Wilna Ganzoni, Gian-Paul: Il cudesch da Johann Jenny a Wilna.

Tod seiner Frau Anna Neisa

Sein ältester Sohn Flurin begann 1836 im Geschäft seines Vaters eine Lehre als Konditor. Im darauffolgenden Jahr starb Peters Frau in Wilna. Vermutlich lebten zu dieser Zeit nur noch 3 seiner Kinder: Flurin (16), Cecilia (15) und Luzia (10). Peter bat seinen Halbbruder Christian, welcher seit 1830 in Riga (Russland, heute Lettland) als Konditor arbeitete, um Hilfe. So reiste Christian nach Wilna und arbeitete nun im Geschäft seines Bruders.

1844 heiratete seine älteste Tochter Cecilia in Warschau den deutschstämmigen Jan Karol Jakub Strohmeyer. Vermutlich war sie schon vorher nach Warschau umgezogen. Peter durfte nun noch die Geburt von 4 Enkelkindern erleben.

Die nächste Generation übernahm nun die Geschäfte. Peiders Tochter Anna (*1824 in Pontresina) heiratete 1845 in Pontresina einen Saratz, ebenfalls aus einer Konditorenfamilie abstammend. Peiders Sohn Eduard (*1826 in Pontresina) war 16 Jahre alt, als er bei der Familien-Konditorei «Gebrüder Jenny» in Stettin seine Lehre begann. Um 1850 übernahm Eduard mit seinem älteren Bruder Peter Alexander die Konditorei des Vaters an der Oderstrasse 12 in Stettin.

Im selben Jahr schien Peter erkrankt zu sein und die Konditorei nicht mehr weiter führen zu können. Sein Sohn Flurin übernahm nun die Geschäfte, Christian dürfte weiter dort gearbeitet haben. Im selben Jahr heiratete sein Sohn Flurin in Wilna die aus Polen stammende Julia Zielengowska. 1851 starb Peter Köhl mit 66 Jahren in Wilna.

Die Kinder des Peter Köhl

Tochter Cecilia wurde in Wilna geboren und dürfte dort auch aufgewachsen sein. Sicher besuchte sie auch die Schweiz, ihr Lebensmittelpunkt dürfte aber die neue Heimat ihres Vaters gewesen sein. Um 1844 zog sie nach Warschau und zeugte mit Ihrem Ehemann Jan Karol Jakub Strohmeyer 4 Töchter und 1 Sohn. Letzter starb aber mit 2 Jahren. Auch 2 der Töchter starben kurz nach der Geburt. Kurz danach verstarb auch Cecelia in Warschau, nur 34 Jahre alt. Ihre Tochter Mironia Maria starb mit 19, und die älteste Tochter, Cecylia Eufrozyna, heiratete 1864 den industriellen Wincenty Ludwik Norbli, starb aber im gleichen Jahr. Cecila wurde, zusammen mit ihrem Mann und ihren Töchtern, in einem Familiengrab in Warschau beerdigt.

Seine Tochter Luzia wanderte ebenfalls nach Warschau aus, heiratete dort einen Herrn Reineke und starb 1852 in Warschau. Sie wurde im gleichen Grab wie ihre Schwester Cecila beigesetzt. Über Nachkommen ist nichts bekannt.

Nach dem Tod seines Vaters übernahm Flurin die Geschäfte seines Vaters. Der Jahresumsatz der Konditorei fiel von 5‘000 Rubbel im Jahre 1853 auf nur noch 2‘000 Rubbel Umsatz im Jahre 1857. 1859 wird er wieder erwähnt, führte an der Bolshaya Str. im Haus von Hr. Baben ein Café und seine Frau Julia einen Süßwarenladen, auch besass er einen Weinkeller. Um 1861 wird er letztmals erwähnt und dürfte danach seine Konditorei wohl geschlossen haben. Es ist nicht bekannt was er danach gemacht hat. Flurin kehrte jedoch anfangs 1868 mit seiner aus Polen stammenden Frau Julia Zielanowska nach Chur zurück, kurz nach dem Tod der letzten Strohmeyer-Töchter. Er war mittellos und verschuldet. Mit Unterstützung der Stadt Chur wollte er als gelernter Zuckerbäcker in Zürich eine Konditorei eröffnen. Dies gelang ihm aber nicht und er starb nach kurzer Krankheit in Zürich.[66] Seine Witwe, Julia Zielanowska-Köhl, blieb mittellos zurück. Julia kam bei einer Polnischen Familie unter und lebte danach in Zürich, wo sie 76-jährig starb.

Zu Sohn Peter und Tochter Chiathrina Neisa gibt es keine weiteren Hinweise. Vermutlich sind sie in jungen Jahren in Wilna gestorben. Mit Flurin dürfte 1868 der letzte Nachkomme von Peter gestorben sein.

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Grabdenkmal der Familie Köhl-Strohmeyer (Cmentarz Ewangelicko-Augsburski, Warszawa)


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Grabstein der Cecylja Kohl-Strohmeyer (Cmentarz Ewangelicko-Augsburski, Warszawa)